01. Oktober 2015
Es ist Mitten in der Nacht. Geschlafen hat heut keiner. Wir haben alle gepackt und warten auf den Fahrer. Den Schlenker über Agra und die Weiterfahrt zur Safari in einen der Nationalparks haben wir auch mit dem Reisebüro organisiert. Und tatsächlich hatten die es dann auch mal geschafft uns nach mehrmaligem Nachfragen die Info bezüglich wer holt uns wann im Hotel ab zu geben.
Die Rezeption ruft an, der Fahrer sei schon da. Ok…?! Dann gehen wir mal runter. Der Fahrer liegt im Wagen und schläft. Als wir kommen wird er wach. Und sieht ziemlich durch aus. Er kommt gerade aus Jodhpur. Aha?! Das heißt er hat jetzt ca. 10 Stunden im Auto gesessen, ist 600 km gefahren und fährt mit uns jetzt quer durch die Nacht?! Sehr beruhigend. Außerdem sind wir fünf Personen mit Gepäck. Davon passen gerade mal drei große Rucksäcke in den Kofferraum des SUV. Den Rest quetschen wir irgendwie auf die sieben freien Sitze verteilt. Was hat die Frau vom Reisebüro denn gedacht, wie das bitte gehen soll?! Das kann nur ein Witz sein. Wir fahren los und Papa versucht mit Unterhaltungen den Fahrer wach zu halten. Der nickt nämlich fast weg. Verständlicher Weise. Über die Verantwortungslosigkeit kann ich mir allerdings nur kurz Gedanken machen, dann schlaf ich selbst ein. Weil, Motor und so.
Um halb fünf kommen wir tatsächlich unfallfrei in Agra an. Mama ist bis dahin tausend Tode gestorben. Über das Reisebüro könnten Julia, Marc und ich uns inzwischen pausenlos aufregen. Jetzt heisst es einen günstigen Standort finden um den Sonnenaufgang zu geniessen. Wir fahren an die unterschiedlichen Eingänge. Aber irgendwie passt das nicht mit Perspektive und Sonnenstand überein. Marc will die James- Bond- View. Iss ja gut!!! Am Osteingang könnte es klappen. Der Fahrer darf angeblich nicht näher ran fahren und hält gefühlte Kilometer entfernt auf einem Parkplatz. Marc und ich wetzen los. Zum Eingang. Die Security erklärt uns, wir müssten runter zum Fluss und ein Boot mieten. Am Fluss sind um diese Uhrzeit nur Einheimische. Die finden das frühe hecktische Rumfragen, was wir veranstalten komisch. Die Wachleute hier erklären uns, dass wir auch von der anderen Seite an den Fluss könnten. JA! Das ist es, was wir wollen. Also schnellstens zurück zum Auto. Es wird langsam hell. Wir fahren wieder raus aus der Stadt und über Brücken. Noch ein U-Turn und wieder zurück. Endlich auf der anderen Flussseite, durch das dazugehörige Dorf und zum Flussufer. Die Wache dort wohnt im Zelt und putzt gerade Zähne. Wir grüßen freundlich und schnaufen durch. Da steht es. Groß, morgengrau und wird langsam morgenrot. Nicht so knallig wie es könnte, dafür ist der Sonnenaufgang heute zu dunstig. Und es ist atemberaubend schön.
Und so romantisch!!! Erbaut in Form einer Moschee ist es das Mausoleum für Mumtaz Mahal, erbaut von Ihrem Mann, Großmogul Shah Jahan. Der Bau dauerte 17 Jahre. Alles wurde aus Marmor gefertigt und mit unzähligen Edelsteinen verziert. Er selbst wurde nach seinem Tod ebenfalls hier begesetzt, was allerdings die bis ins letzte ausgetüfftelte Symetrie des gesamten Gebäudes zerstört. Soviel Romantik, da muss sogar ich passen. Diesmal kein Brechreiz…
Die Sonne ist aufgegangen und wir sind kurz vorm Verhungern. Also Frühstück. Wir fahren in die Innenstadt und laden den Fahrer ein. Ist ihm sichtlich unangenehm. Ich begreif Indien einfach nicht. In mancher Hinsicht jedenfalls.
Danach schlängeln wir uns durch die Gassen von Agra zum Eingang des Taj Mahal. Es sieht hier aus wie nach einem Bombenangriff. Im Gelände dann ein ziemlicher Menschenandrang. Ausnahmsweise nicht nur Inder. Alles was einen Fotoapparat in der Hand hat knipst was das Zeug hält. Zurecht. Aus der Nähe betrachtet wird es sogar fast noch besser. Ich glaube, ich habe noch nie so ein schönes Bauwerk gesehen. Die Parkanlage ist genauso symetrisch wie das Gebäude. Das Taj spiegelt sich im Wasserbecken davor. Ich könnte hier stunden sitzen und gucken.
Irgendwann schlendern wir dann doch durch die Parkanlage und schauen uns die ganze Pracht auch von innen an. Florale Verzierungen und blinkende Edelsteine, Bögen und Kuppeln. Um alles zu schützen müssen wir Schutzhüllen über unser Schuhe ziehen. Vernünftig. Es dürfen keine Fotos gemacht werden und anfassen ist auch nicht erlaubt. Was machen die Inder? Richtig. Herrje…
Auf dem Weg nach draußen dreh ich mich mehrfach um. Noch ein Blick und noch einer. Das war auf jeden Fall eines meiner Highlights in Indien.
Zurück am Auto erklären wir dem Fahrer, dass wir noch in Fatehpur Sikri halten möchten, einer kleinen und uralten Stadt mit Baudenkmälern aus dem Mogulreich. Der Wahnsinn, zumindest was Internet und Reiseführer hergaben. Er sollte das alles längst wissen, denn wir hatten mit dem Reisebüro auch das besprochen. Er schaut unwissend. Wir erklären und er willigt ein. Auf dem Weg hält er zum Lunch in einem der Touristenbunker. Also da wo Busse weise ausgekippt wird. Erst nach mehrmaligem versichern, dass wir keinen Lunch brauchen, lässt er sich zum Weiterfahren bewegen. Nicht aufregen!!! Ganz ruhig.
In Fatehpur Sikri angekommen kippt er uns an der Touristensammelstelle aus. Es ist an die 40 Grad, die Sonne knallt. Geht schon. Man kann zwar auch bis vor die Altstadt fahren, aber wir laufen lieber. Kein Problem. Ist doch so schönes Wetter. Auf dem Weg dahin können wir dann auch Geld holen. Der erste ATM geht schon mal nicht. Bei der Frage nach dem zweiten erklärt uns der Polizist, ausgerechnet heute sind alle ATM’s im Ort ausgefallen. Es gäbe da echt ein Problem. Offensichtlich. Wir haben nur noch abgezähltes Geld dabei. Das reicht im Leben nicht mehr für den Eintritt. Wir kämpfen uns den Berg hoch zur Palastanlage. Und die Treppen. Über den Vorplatz zur Kasse. Um festzustellen, dass das Geld nicht reicht. Sag ich doch. Das läuft ja wieder super heute. Zurück gönnen wir uns den Bus. Unser Fahrer ist überrascht. Wir wollen jetzt gerne ins Hotel. Und bis dahin dauert es auch nur knapp vier Stunden Fahrt durch kurvigstes, indisches Hinterland.
Am späten Nachmittag erreichen wir den Nationalpark. Wir haben uns für drei Nächte hier eingebucht und wollen Safari machen, den Urlaub ausklingen lassen und Papas Geburtstag feiern. Alles schön entspannt. Unser Fahrer verabschiedet sich. Er muss heute noch nach Jodhpur zurück. Also on top nochmal 600 km und weitere 10 Stunden Fahrt. Die sind echt nicht ganz dicht beim Reisebüro.
Das Hotel ist klein und gemütlich und hat im Dschungelgarten Zeltzimmer stehen. Sehr authentisch. Wir wollen eigentlich nur noch duschen, Essen und Füsse hoch. Allerdings ist dem Hotel nicht klar, für welche Safaris wir genau gebucht wurden. Ja, dann hören wir doch einfach NOCHMAL beim Reisebüro nach. Nicht das die jetzt irgendwie Stress wegen uns gehabt hätten, denn im Prinzip haben wir die meiste Arbeit selbst erledigt. Aber das dann von den paar zu organisierenden Dingen auch noch die Hälfte nicht klappt…sehr vertrauenserweckend! Gibt keine Empfehlung. Indienreise organisieren können wir jetzt auf jeden Fall allein. Zu unserem Glück geht die Bestätigung dann aber schnell. Wir machen jeweils dreimal die Frühstückssafari. Heißt um 6 Uhr wird abgeholt. Aufstehen vorm Wachwerden. Jetzt aber: duschen, Füsse hoch und Essen. War das ein Ritt heute.