Julia, Du bist wunderbar!

10. September 2015

Für Julia:

Vielen lieben Dank für eine wunderbare Reise durch Ägypten. Wir habe soviel gehen und erlebt!!! Und was hast Du vorab alles organisiert. Meine Güte! Damit aber nicht genug. Während ich noch voll im „ich bin  jetzt wirklich losgefahren und kann es nicht glauben“- Modus fest hing und manchmal etwas kopflos war, hast Du Dich um die letzten organisatorischen Details vor Ort gekümmert und immer an alles gedacht. Fürsorglich und vorausschauend. An all die Kleinigkeiten, die das Reisen angenehm und leichter machen. Angefangen bei ausreichend Verpflegung (leider für meinen Geschack etwas zu bananenlastig 😉 ey, Stuart!!! – ja, wir haben alle die Minions gesehen… ) bis zu meinen hinterhergetragenen Sieben-Sachen. Danke, dass Du beim Ankommen da warst und einfach bist wie du bist: wunderbar liebenswert.

Und auch in Kairo reißt das Organisationstalent meiner Schwester nicht ab. Ich hatte vorab erklärt, was ich noch gerne sehen und machen würde und sie hat es in die letzten Tage hübsch praktisch verpackt. Da ich letztes Jahr im November schon einmal für eine Woche zu Besuch war, fehlen nur noch die Pyramiden und das ägyptische Museum. Kairo ist an sich nicht unbedingt das, was man als schön bezeichnen kann. Es gibt vereinzelte Ecken und Rückzugsmöglichkeiten, aber insgesamt merkt man, dass es eine überfüllte, dreckige, laute Millionenstadt ist. Probleme bei der Müllbeseitigung oder einfach auch das fehlende Verhältnis zu Müll, gefühlt 3 Autos pro Einwohner und Luft zum schneiden stickig verschärfen den abschreckenden Charakter.

Erster Punkt auf der heutigen Tagesordung: Friseur. (Während Marc unsere Wäscheberge abarbeitet. Ja, hier ist die Welt noch in Ordnung.) Meine Haare nerven mich seit Ankunft in Ägypten. Meinen Bob, den ich seit November trage und liebe, ist leider nicht ausreichend rausgewachsen, um die Haare vernünftig zusammen zu binden. Das gechlorte Wasser und mehrmals täglich duschen machen die Lage nicht besser und ich will nicht ein Jahr ohne Frisur mit Zottelzopf rumlaufen. Mich kennt unterwegs keiner und wenn kurze Haare total doof aussehen, gibt es einfach keine Fotos mehr von mir. So!

Der Friseur ist einer der besseren Salons in Kairo, in Zamalek. Der Stadtteil auf einer der Nilinseln wird hauptsächlich bevölkert von Botschaftsmitarbeitern und anderen Nichtägyptern, die hier arbeiten und leben. Entsprechend das Klientel und die Preise. Nicht deutsch, aber auch nicht ägyptisch. Julia kennt den Friseur schon. Es ist ihrer. Nicht unwichtig, denn es muss erstmal ein Friseur in Ägypten bereit und in der Lage sein, Frauen einen Kurzhaarschnitt zu verpassen. Wir erklären die Prämissen: muss ohne Fön funktionieren- denn den hab ich gar nicht dabei und auch keinen Platz dafür- und außerdem bitte nicht mit so einem verkappten Mannsweibhaarschnitt enden. Ansonsten kurz. Aber richtig!!! Wenn schon, denn schon. Den Rest überlass ich ihm. Ehab, ein ausgesprochen gutaussehender, langhaariger Ägypter, versteht und schneidet los. Ich rechne mit dem Allerschlimmsten. Meine Schwester ist total optimistisch. Und ich schon während des Schneidens überrascht. Am Ende finde ich es gar nicht mal so schlimm. Aber sowas von ungewohnt. Ehab findet es Bombe. Klar, was soll er jetzt auch sagen?! Julia grölt quasi vor Begeisterung. Ich glaub, ich brauch noch einen Moment…oder ein paar Tage. Muss mich wohl erst rein gucken, in das neue Gesicht.

Aber ich hab es gemacht. Wieder ein Punkt weniger auf meiner Liste zum ausprobieren: Kurzhaarschnitt. Und vielleicht gibt es zurück im richtigen Leben irgendwann wieder einen Bob. Wer weiß… Jetzt verschwinde ich erstmal im Beautybereich. Noch mehr Haare hier lassen. Wenn wir schon mal hier sind.

Auf dem Heimweg gibt Julia mich im ägyptischen Museum ab. Das hat sie ebenfalls schon mehrfach besucht und erspart sich die vierte Runde Mumien. Wir verabreden uns für später davor. Auch hier wieder reichlich Militäraufgebot. Da gewöhn ich mich wohl nicht mehr dran.

Drinnen bin ich relativ schnell enttäuscht. Schlecht aufbereitete Ausstellungsräume, fehlende Beschriftungen an Exponaten, zwischendrin unausgepacke Kisten (mit Nachschub ?), zum Teil vollgestopfte Vitrinen. Mir vergeht die Lust und außerdem dauert es auch nicht so lange wie erwartet. Schließlich will ich mir nicht jede Gabel aus irgendeinem Tempel anschauen. Ich bestelle Julia früher zum Abholen, warte vor dem Museum und fühle mich nackt. So mit ohne lange Haare. Einfach nicht so nackig gucken, heisst da die Devise, damit nicht jeder halbstarke Araber sich zu einem Gespräch animiert fühlt.

Julia und Marc holen mich tatsächlich wieder ab- tja, das war Eure Gelegenheit, ich hatte nämlich nicht mal Eure Adresse mit- und wir tauschen die Bustickets von Kairo nach Luxor um. Einfach dumm stellen, tun als ob wir kein arabisch können und nach ein paar Diskussionen mit dem Manager der Busgesellschaft gibts das Geld zurück. Geht doch. Da beweisen die Ägypter mal ein bisschen Kundenfreundlichkeit. Keine Servicewüste hier!

Anschließend machen wir uns auf den Weg in eine der am Stadtrand liegenden Einkaufsmalls. Die Minibusfahrt werde ich niemals vergessen. Mehr als einmal denke ich, wir werden alle sterben. Und das in einem besch… kleinen Minibus mit Kamikazefaher. Julia und Marc sind geübt und etnsprechend entspannt, ja geradezu belustigt.

Die Shoppingmall, tja, das ist erst Mickey-Maus-Quatsch. Aber so lieben es die gut betuchten Araber anscheinend. Amerikanisch. Überdimensioniert. Bunt und übertrieben. Scheint mir jedenfalls so. Wir wollen eigentlich auch gar nicht shoppen, nur was essen und ins Kino. Das Essen bei Zoobas ist super lecker. Wir bestellen uns ein kleines Festmahl aus orientalischen Köstlichkeiten, futtern wild durcheinander  und kugeln uns weiter ins Kino.

Ja und arabisches Kino ist dann so ganz anders als deutsches. Doch, die haben hier auch eine Leinwand. Aber…zu allererst gibt es pro Film einen festgelegten Ticketschalter. Da kann man nicht einfach an einem anderen Schalter bestellen. Als nächstes will der Platzanweiser uns partout nicht vorbei lassen, damit er sein Trinkgeld für Weggeleit zum Kinosessel kassieren kann. Wir sind heute mal dreist und maschieren unter Protest vorbei. Der Kinosaal wird auf unterirdische Temperaturen runtergekühlt. Dann sind die Araber während der Vorstellung alles Andere als leise. Muss man sich dran gewöhnen. Und zu guter Letzt gibt es IMMER eine Kinopause, nach der natürlich alle zu spät kommen. Alles in allem war das definitiv ein Erlebnis.

Die Heimfahrt ist nicht weniger abenteuerlich. Aber was erzähl ich hier. Einfach mal in Ägypten Minibus fahren, wenn man nicht mehr sicher ist, ob man noch an seinem Leben hängt!

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